Der Office Work Optimizer ist ein arbeitswissenschaftlich fundiertes, digitales Analyse- und Optimierungsverfahren für Büro-, Bildschirm-, Telearbeit und mobile Arbeit. Seine wissenschaftlichen Grundlagen reichen bis an die Arbeiten von Prof. Dr. med. Theodor Hettinger in den 1970er-Jahren zurück, der bereits früh zeigte, dass Büroarbeit keine „leichte Arbeit“ ist, sondern durch Inaktivität, statische Belastungen, psychische Anforderungen und ungünstige Arbeitsorganisation erhebliche gesundheitliche Risiken birgt. Seitdem wurde das Verfahren kontinuierlich wissenschaftlich weiterentwickelt, empirisch validiert und an den seitdem stattgefundenen tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt angepasst - von der klassischen Schreibmaschinenarbeit bis zu heutigen hybriden und mobilen Arbeitsformen.
Organisationen stehen heute vor zentralen Herausforderungen: steigende Bildschirmarbeitszeiten, hybride Arbeitsmodelle, zunehmende psychische Belastungen, unerkannte ergonomische Defizite im Homeoffice, fehlende Kenntnis über die wensentlichen Gesundheits- und Unfallrisiken sowie der davon ausgehenden Unsicherheit bei der richtigen Priorisierung, Maßnahmenplanung und Optimierung. Der Office Work Optimizer adressiert genau diese Problemstellungen. Mit aktuell 78 validierten Items werden technische Gestaltung, Softwareergonomie, Arbeitsaufgaben, Gesundheitsaspekte, Umgebungsbedingungen, Arbeitssicherheit und Inklusion erfasst. Belastungsraten werden systematisch für vier Merkmalsklassen berechnet und in einem normierten Ampelmodell mit integrierten Key Performance Indicators (KPI) aufbereitet.
Der Office Work Optimizer verbindet damit über fünf Jahrzehnte arbeitswissenschaftliche Forschung mit moderner Cloud-Technologie. Er macht Belastungen sichtbar, die bislang oft verborgen blieben, und schafft eine belastbare Grundlage für gesunde, leistungsfähige und zukunftsfähige Arbeitsumgebungen in einer zunehmend digitalen und hybriden Arbeitswelt.
2026
Release des Neuen WEB-Portals für den Office Work Optimizer zur Direktanwendung FÜR Organisationen und Forschung
Mit der neuen Cloud-Version steht Organisationen ein hochmodernes, skalierbares Methodenpaket zur Verfügung, das auf der Erfahrung von mehr als 20.000 Gefährdungsbeurteilungen basiert. Der Office Work Optimizer integriert ergonomische, psychische, arbeitsorganisatorische und sicherheitsrelevante Belastungsfaktoren in einem standardisierten, datenbasierten Ansatz. Grundlage bildet das arbeitswissenschaftliche Belastungs-Beanspruchungs-Modell, das nicht nur einzelne Mängel sichtbar macht, sondern systematisch zeigt, wie Arbeitsbedingungen auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden wirken. Das Verfahren ermöglicht organisationsweite Vergleiche, differenzierte Schwachstellenanalysen, Trendbeobachtungen über die Zeit und spezifische Managementauswertungen – auch getrennt für Büroarbeit, Telearbeit und mobile Arbeit. Konkrete, kontextbasierte Gestaltungsvorschläge unterstützen Fachkräfte, Führungskräfte und Organisationen dabei, gezielt Maßnahmen abzuleiten, Ressourcen wirksam einzusetzen und Arbeitsplätze nachhaltig zu optimieren.
2010
Validiertes verfahren für Bildschirmarbeit - Erweiterung
auf 78 Items und Aufnahme
in die BAuA-Toolbox
Die nun 78 zentralen Items decken die Fachthemengebiete der technischen Gestaltung, Softwareergonomie, Arbeitsaufgaben, Gesundheitsaspekte und Umgebungsbedingungen ab. Die theoretische Fundierung basiert auf dem Belastungs-Beanspruchungs-Modell. Validität, Reliabilität und Objektivität wurden überprüft und nachgewiesen und das Verfahren in die BAuA-Toolbox als Instrument zur Bewertung ergonomischer und psychischer Belastung an Bildschirmarbeitsplätzen aufgenommen. Das Verfahren zeichnet sich auch durch seine branchenübergreifenden Einsatzmöglichkeiten und adressiert unterschiedliche Tätigkeitsklassen von Büro- und Verwaltungsarbeit bis Telearbeit und privat genutzten Bildschirmarbeitsplätzen. Zu diesem Zeitpunkt sind mehrere Tausend anonyme Datensätze verfügbar, die differenzierte Schwachstellenanalysen ermöglichen. Konkrete Gestaltungsvorschläge für die Organisationen werden kontextbasiert für die Fachakteure im Betrieb ausgegeben.
2008
Ergonomische Entwicklung im Langzeitvergleich zur Baseline aus dem Jahr 1995
Die in über zwölf Jahren Forschung erhobenen anonymen BiFra-Datensätze ermöglichen einen fundierten Vergleich zwischen früheren Arbeitsplatzsituationen in den 1990er Jahren und Bewertungen der späten 00er Jahre. Insgesamt stehen inzwischen über 10.000 vollständige Analysen zur Verfügung. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Zunahme der täglichen Bildschirmarbeitszeit, während ergonomische Faktoren wie Reflexionskontrolle, Softwarebedienbarkeit und Bewegungsfläche für Maus und Tastatur häufiger positiv bewertet werden. Gleichzeitig treten längere ununterbrochene Bildschirmphasen und vermehrte Augenbeschwerden stärker in Erscheinung. Persistierende Defizite bestehen insbesondere bei Beinraum, Tischhöhe und Umgebungsbedingungen wie Klima oder Beleuchtung. Die Datengrundlage verdeutlicht, dass technische Entwicklungen zahlreiche Belastungen reduziert haben, organisatorische und ergonomische Anpassungen jedoch weiterhin notwendig bleiben.
2021
Digitales Methodenpaket für Büro-, Bildschirm- und Mobile Arbeit – Neue Risikoindikatoren und über 20.000 Datensätze
Diese Weiterentwicklung des BBM-BiFra-Verfahren integriert neben ergonomischen auch psychische und arbeitsorganisatorische Belastungsfaktoren speziell für stationäre Büroarbeit, Bildschirmtätigkeiten, Telearbeit und deren mobile Arbeitsformen. Das erweiterte Verfahren umfasst seitdem sechs essentielle Fachthemenbereiche sowie die zusätzliche Möglichkeit die Arbeitsaufgabengestaltung, physikalische Messwerte und Inklusion zu analysieren. Neu sind ebenfalls spezifische Managementauswertungen für Telearbeit und mobile Arbeit. Mittlerweile wurden mehr als 20.000 Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt. Die Ergebnisse werden in einem normierten dreistufigen Ampelmodell inklusive einer Vorauswahl an mitgelieferten Key Performance Indikatoren (KPI) zur Verfügung gestellt. Belastungsraten werden für die vier Merkmalsklassen Physische Belastungen, Psychische Belastungen, Umgebungsbedingungen und Arbeitssicherheit systematisch berechnet und ermöglichen sowohl organisationsweite Priorisierungen als auch zeitliche Trendbeobachtungen. Das Verfahren unterstützt damit datenbasierte Entscheidungen und gezielte Optimierung in modernen und zunehmend immer hybrideren Arbeitsumgebungen.
Interaktive analyse und Bewertung mit individuellen belastungsprofilen
Das BiFra-Analyseverfahren wurde im Jahr 2007 technisch erweitert und ermöglicht seitdem eine präzisere Erfassung individueller Arbeitsbedingungen. Die Grundlage hierfür bilden die neu eingeführten differenzierten Nutzerprofile für Büroarbeitsplätze, Telearbeitende und Labortätigkeiten sowie ein strukturierter Fragekatalog aus rund 40 Kriterien. Die korrespondierenden Auswertungsmöglichkeiten umfasst ergonomische Faktoren wie Sitz- und Griffraum, Fläche für Keyboard- und Mouse, Bildschirmpositionierung in der ganzheitlichen Betrachtung inklusive Beleuchtung und Lärm. Die Datenanalyse lässt nun eine deutliche Mustererkennung zu: Unzureichende Reflexionskontrolle, eingeschränkte Bewegungsflächen und fehlende Anpassbarkeit der Arbeitsmittel zählen zu den häufigsten Schwachstellen. Gleichzeitig belegen die erhobenen Werte Verbesserungen in Bereichen wie Flimmerfreiheit und Zeichenlesbarkeit. Das Verfahren ermöglicht die kausale Ableitung organisationsspezifischer Optimierungsstrategien und erleichtert hiermit die systematische Maßnahmenplanung.
2007
Office Work - Längsschnitt-
analysen auf der Grundlage
von über 18.000 Arbeitsplätzen
Das webbasierte Analyseverfahren wurde bis 2007 zu einem umfassenden Langzeitinstrument weiterentwickelt und basiert inzwischen auf mehr als 18.000 ausgewerteten Bildschirmarbeitsplätzen. Der sich immer weiter vergrößernde Datensatz ermöglicht immer präzisere Referenzvergleiche und zeigt bei den anwendenden Organisationen deutliche Optimierungen gegenüber den Ausgangsjahren unter anderem bei Lesbarkeit, Flimmerfreiheit, Tastaturpositionierung und ergonomischer Arbeitsplatzfläche. In einer aktuellen Stichprobe mit über 650 Gefährdungsbeurteilungen lagen positive Rückmeldungen je nach Gefährdungsfaktor zwischen 70 und 97 Prozent. Auffällig ist dennoch ein anhaltender Optimierungsbedarf insbesondere bei Reflexionen, Bildschirmposition und ausreichender Bewegungsfläche. Die neuen Funktionalitäten ermöglichen Organisationen, systematische Abweichungen frühzeitig zu erkennen und konkrete Maßnahmen abzuleiten um die Arbeitsplatzoptimierung kontinuierlich voranzutreiben.
2008
12 Jahre der Entwicklung von Bildschirmarbeit im überblick
Die Auswertung der standardisierten BiFra-Erhebungen ermöglichte den quantitativen Langzeitvergleich zwischen Datensätzen von 1995 und 1996 (n = 1.386) mit Datensätzen von 2006 und 2007 (n = 661). Die tägliche Bildschirmarbeitszeit stieg deutlich an: Während Mitte der Neunziger noch 50 Prozent der Beschäftigten mehr als vier Stunden täglich am Bildschirm arbeiteten, waren es Mitte der 00er Jahre des neuen Jahrtausends bereits 72 Prozent. Gleichzeitig verbesserten sich ergonomierelevante Kriterien wie geringere Reflexionen, eine bessere Softwarebedienbarkeit und mehr Bewegungsfläche für die Mouse signifikant. Verschlechterungen zeigen sich dagegen jedoch bei Beinraum, Tischhöhe und zunehmenden Augenbeschwerden infolge längerer ununterbrochener Bildschirmarbeit. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass technische Fortschritte – insbesondere flache, entspiegelte Displays – positiven Einfluss auf mehrere Belastungsfaktoren hatten, während ergonomische und organisatorischer Anpassungen weiterhin teils große Optimierungspotenziale aufweisen und daher wichtiger Bestandteil der Arbeitsplatzgestaltung bleiben.
1998
Weiterentwicklung, Webintegration und vergleichende Datenmodelle
Auch im Jahr 1998 wurde das BiFra-Verfahren zur Bewertung von Bildschirmarbeitsplätzen technisch erweitert und nun für breite Anwendung skaliert. Ziele waren die Integration neuer datenbasierter Funktionalitäten zur systematischen Arbeitsplatzgestaltung sowie die Unterstützung der Organisationen bei internen Audits. Die Analyse wurde auf nun insgesamt 56 ergonomische und arbeitsmedizinische Kriterien, darunter Lesbarkeit, Monitorabstand, Sitzhöhenanpassung, Software-Interaktion sowie Umgebungsfaktoren wie Beleuchtung und Klima erweitert. Mehrere hundert digitale Datensätze ermöglichten erstmals vergleichende Datenmodelle und priorisierte Optimierungen der Arbeitsplätze. Die Ergebnisse zeigen deutliche Schwankungen zwischen Arbeitsbereichen und belegen ein hohes Optimierungspotenzial insbesondere bei Sitzpositionierung, Reflexionsquellen und Unterweisungsstand.
1997
Ergonomieanalyse aus der Forschung für die Praxis
Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in diesem Jahrzehnt bildeten mehrere Meilensteine für das digitale Bewertungsverfahren für Bildschirmarbeitsplätze. Das Forschungsteam führte ein computergestütztes Analysemodell ein, das erstmals ergonomische, arbeitsmedizinische und softwarebedingte Belastungsfaktoren datenbasiert erfasste. In einer mehrstufigen Validierung mit über 118 Mitarbeitenden und neun Führungskräften zeigte sich: Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze wies Optimierungsbedarf auf – von Sitzhöhe und Monitorergonomie bis hin zu Beleuchtung, Temperatur, Luftqualität und Schulungsthemen. Gleichzeitig konnte belegt werden, dass ein Großteil der Defizite sich schnell und kosteneffizient beheben lässt. Das digitale Verfahren liefert seitdem praxisgerechtes evidenzbasiertes Wissen für die Organisationsentwicklung, New-Work-Umgebungen und die menschzentrierte Gestaltung von Arbeitsplätzen.
2003
Standardisierte Analyse von Bildschirmarbeit in 25 Minuten
Das mitarbeiterorientierte Analyseverfahren umfasste im Jahr 2003 über 3.000 Arbeitsplatzbewertungen. Der strukturierte Fragenkatalog bestand aus 37 einzelnen Kriterien, verteilt auf Fachthemen wie Gesundheitsvorsorge, Sitzhaltungsanalyse, Ausstattung, Software-Interaktion sowie Umgebungsfaktoren. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit lag bei etwa 25 Minuten und ermöglichte so eine vollständige Selbstauswertung durch Beschäftigte. Die Belastungsprofile zeigten die Schwachstellen eindeutig und ließen deutliche Belastungsmuster erkennen, insbesondere bei Monitorblickwinkeln, Sitzpositionierung, Reflexionen, Unterweisungsstand sowie der ergonomischen Anpassbarkeit der Arbeitsmittel. Die Datengrundlage ermöglicht nun auch organisationsübergreifende Vergleiche und lieferte transparente Prioritäten für die Optimierungsprojekte. Damit wurde das Verfahren zu einem effizienten Instrument der systematischen Arbeitsplatzbewertung ausgebaut.
1977
Arbeitsphysiologie der Büroarbeit - Beanspruchungsanalyse und Beanspruchungsoptimierung
Prof. Dr. med. Theodor Hettinger untersucht die Büroarbeit aus arbeitsphysiologischer Perspektive und zeigt in seiner arbeitswissenschaftlichen Publikation auf, dass sie mit den klassischen Methoden der Belastungsmessung nur unzureichend erfasst werden kann. Übliche Beanspruchungsgrößen wie Pulsfrequenz, Energieumsatz und EKG eignen sich zwar zur Beurteilung physisch schwerer Arbeit, versagen jedoch bei der Analyse von Büroarbeit, da diese durch geringe energetische, aber dennoch gesundheitlich relevante Beanspruchungen gekennzeichnet ist. Hettinger macht deutlich, dass das Fehlen messbarer Überlastung nicht mit gesundheitlicher Unbedenklichkeit gleichzusetzen ist. Gleichzeitig wird davor gewarnt, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung auf anthropometrische Anpassungen zu reduzieren. Es wird unter anderem hervorgehoben, dass verstellbare Stühle und normgerechte Tischhöhen keine gesunde Arbeitssituation garantieren, wenn dauerhaft Bewegungsmangel und Zwangshaltungen begünstigt werden. Es wird gefordert, ergonomische Ansätze durch arbeitsphysiologische Überlegungen zu ergänzen. Zudem wird festgestellt, dass psychische Beanspruchungen etwa durch hohe Konzentrationsanforderungen, Unterbrechungen, Lärm und die Arbeitsbedingungen im Großraumbüro eine wesentliche Rolle spielen, ohne dass all diese Belastungsarten in klassischen physiologischen Messgrößen unmittelbar abgebildet werden können. Ein weiterer Schwerpunkt wird in der biologischen Tagesrhythmik der Leistungsbereitschaft gesehen. Diese unterliegt im Tagesverlauf erheblichen Schwankungen, sodass starre Arbeitszeiten diesen individuellen Rhythmen nicht gerecht werden. Insgesamt sind Belastung, Beanspruchung und Gesundheitsrisiken bei Büro- und Bildschirmarbeit daher als komplexes und von der Organisation, einzelnen Gebäuden und Räumen sowie von der jeweiligen Tätigkeit abhängiges Zusammenspiel zu verstehen. Wissenschaft und Praxis sind daher auf praxistaugliche und validierte Verfahren angewiesen, um spezifische Problemstellungen verlässlich zu identifizieren, Ursachen und Wirkzusammenhänge nachvollziehbar abzuleiten und Optimierungen wirksam sowie kosteneffizient planen, simulieren und umsetzen zu können.